Die Burg der Brooklynia liegt in der 6 East 87th Street, im Haus des Liederkranz of the City of New York. Das Haus hat zwei Geschichten: die eines 1847 gegründeten deutschen Gesangvereins, der 1919 seine Vereinssprache von Deutsch auf Englisch umstellte — und die eines Reyches, das seit 1977 darin sippt und seine Sprache nie gewechselt hat. Diese Seite erzählt beide, dazu die Burgen davor und den Mann, der der Burg den Namen gab.
Ein chronisches Übel: die Burgen der Frühzeit
„Das Wechseln der Burgen wurde zu einem chronischen Übel", schreibt die Allschlaraffische Chronik über die ersten Jahrzehnte dieses Reyches. Eine Burg ist bei Schlaraffen kein Gebäude, sondern der Ort, an dem gesippt wird — und den hatte die Brooklynia lange nicht auf Dauer.
Dann fand sie die Delphinburg, im Haus des Gesangvereins „Arion". Über fünfunddreißig Jahrungen — so heißt bei Schlaraffen das Jahr — blieb sie dort, und die Chronik nennt sie „die schönste Burg, die es jemals besessen hat". Auch das war ein deutsches Sängerhaus; die Burgen dieses Reyches sind, soweit wir sie kennen, immer in Häusern deutscher Vereine gestanden.
1964 — nach Manhattan, und der erste Name Steubenburg
Nach jahrelanger erfolgloser Suche in Brooklyn zog die Brooklynia 1964 nach Manhattan, in ein Lokal, das schon einmal der Mutter Nova Yorkia als Burg gedient hatte. Sie weihte es zur Steubenburg.
Fünf Jahre später wurde das Grundstück verkauft. Das Reych fand vorübergehend Unterschlupf bei der Mutter, und man teilte sich die Woche: Brooklynia sippte mittwochs, Nova Yorkia freitags. Der Mittwoch ist der Brooklynia seither geblieben — der heutige Sippungstag ist das Erbe einer Wohnungsnot von 1969.
1977 — die zweite Steubenburg
1977 übernahm die Brooklynia die frei gewordene Burg der Mutter an der 87. Straße und weihte sie erneut zur Steubenburg. Seither sippt das Reych durchgehend an derselben Adresse; 1987 ging es dabei vom vierten Stock hinunter in den Keller.
1988 schloss die Nova Yorkia ihre Pforten. Thron und Rostra der Mutter schmücken seither die Burg ihrer Tochter — die Rostra ist das Rednerpult, von dem aus die Sassen ihre Fechsungen vortragen. Das Wappen des Reyches zeigt den Bogen der Brooklyn Bridge; die Reychsfarben sind Rot-Weiß-Blau.
Das Haus des Liederkranz
Die Gesellschaft, der das Haus gehört, ist älter als Schlaraffia. Am 9. Januar 1847 gründeten fünfundzwanzig Männer deutscher Herkunft in New York den „Deutschen Liederkranz der Stadt New York", einen Männergesangverein — zwölf Jahre, bevor in Prag die Allmutter der Schlaraffia entstand.
Der Verein wurde eine der ersten Adressen des Musiklebens der Stadt:
- Der Chor sang mit dem Orchester der Philharmonic Society.
- Seine Wagner-Abende an der Metropolitan Opera gehörten zu den ersten Wagner-Aufführungen in den Vereinigten Staaten.
- Zu seinen Mitgliedern zählten der Klavierbauer William Steinway — von 1867 bis 1896 mit Unterbrechungen Präsident — und der Politiker Carl Schurz.
- Unter Steinways Führung brachte der Verein 1881 in zwei Tagen 150.000 Dollar für ein eigenes Haus zusammen; der Grundstein der Liederkranz Hall wurde am 1. Oktober 1881 an der East 58th Street gelegt.
Wie deutsch das Chorwesen der Stadt damals war, zeigt ein einzelnes Datum: Zum New Yorker Sängerfest 1900 in Brooklyn kamen über 6.000 Sänger aus 174 deutschamerikanischen Gesangvereinen.
1919 — ein Haus wechselt die Sprache
Und dann kam der Krieg. 1919 änderte der Liederkranz nicht nur seinen Namen in „The Liederkranz of the City of New York" — er änderte auch seine Vereinssprache von Deutsch auf Englisch.
Die beiden Weltkriege kosteten ihn so viele Mitglieder, dass das schöne Haus an der 58. Straße verkauft werden musste. Das heutige Gebäude an der 87. Straße war nach Auskunft des Liederkranz über sich selbst vorher das Stadthaus des Stahlindustriellen Henry Phipps; eine unabhängige Bestätigung dieser Angabe kennen wir nicht.
Es ist also ein deutsches Haus, das seine Sprache abgelegt hat. Darin sippt seit 1977 ein Reych, das seine behalten hat — seit 1894 ohne Unterbrechung, durch beide Weltkriege hindurch. Deutlicher lässt sich nicht sagen, was Schlaraffia in New York eigentlich tut. Wie es dazu kam, dass in dieser Stadt überhaupt so viel Deutsch gesprochen wurde, steht auf der Seite Deutsches New York.
Der Namensgeber: Friedrich Wilhelm von Steuben
Friedrich Wilhelm von Steuben, geboren am 17. September 1730 in Magdeburg, gestorben am 28. November 1794, kam am 23. Februar 1778 nach Valley Forge. Noch im selben Jahr wurde er Generalinspekteur der Kontinentalarmee im Rang eines Generalmajors und schrieb das Reglement, nach dem die amerikanische Armee jahrzehntelang exerzierte. In New York gehörte er einer deutschen reformierten Gemeinde an.
Ein deutscher Offizier, der der amerikanischen Armee ihre Ordnung gab, ist für ein deutschsprachiges Reych in New York kein schlechter Namenspatron.
Die Steuben-Parade um die Ecke
Seit 1957 zieht ihm zu Ehren die Steuben-Parade durch New York; seit 1958 endet sie in Yorkville, mit Aufstellung an der 86. Straße — einen Block von der Burg entfernt. Das Reych hat diese Nachbarschaft aufgenommen: Im Lenzmond a. U. 107 — der Lenzmond ist der schlaraffische März, die Jahrung entspricht 1966 — richtete die Brooklynia ihr „1. großes Steuben-Turney" aus, mit Ritterschlag zu Steuben-Rittern.
Die Anfahrt
Die Steubenburg liegt in der 6 East 87th Street, zwischen Madison und Fifth Avenue, wenige Schritte vom Central Park und vom Metropolitan Museum. Mit der U-Bahn nimmt man die Linie 4, 5 oder 6 bis 86th Street und geht den Rest zu Fuß. Gesippt wird mittwochs, alle vierzehn Tage, zu Glock 8 — das heißt auf gewöhnlich: um 20 Uhr. Wer als Gast kommen möchte, schreibe ein paar Tage vorher; Einzelheiten stehen auf der Seite Schlaraffia in New York.
Die Angaben zum Reych folgen der Allschlaraffischen Chronik, Bände I bis IV, Reychsartikel Nr. 123, und dem elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv; die Angaben zum Liederkranz und zu Friedrich Wilhelm von Steuben sind gesondert nachgewiesen. Vier Punkte sind ausdrücklich offen: Welcher der New Yorker Gesangvereine mit dem Namen „Arion" das Haus der Delphinburg war — in Frage kommen die 1854 gegründete Arion Society in Manhattan und ein Arion-Gesangverein in Brooklyn — und an welcher Adresse die Delphinburg lag, ist nicht geklärt. Die Stammdaten führen für dieses Reych außerdem die Burgennamen Atlantaburg und Schwabenburg, die in der Chronik nicht vorkommen; wohin sie in die Folge gehören, wissen wir nicht, und die Burgenfolge oben ist deshalb unvollständig. Dass das Haus an der 87. Straße vorher das Stadthaus Henry Phipps' war, ist die Angabe des Liederkranz über sich selbst und von uns nicht unabhängig bestätigt. Das Datum der ersten Weihe zur Steubenburg 1964 stützt sich allein auf die eigene Überlieferung. Bilder der Burg fehlen auf dieser Seite, weil sie mit dem Reych und mit dem Liederkranz als Eigentümer des Hauses abzustimmen sind. Wer zu einem dieser Punkte Unterlagen beitragen kann, möge sich bitte melden. Stand: September 2026.